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Frankensteins Mailserver – 7 – Thunderbird einrichten

Wir nähern uns mit riesigen Schritten dem Ende dieses Tutorials!

Da unser Mailserver jetzt läuft und wir ein Postfach eingerichtet haben, zeige ich Dir, wie wir Thunderbird dafür einrichten. Mit Thunderbird werden wir in Zukunft unsere Mails über den neuen Server senden und empfangen…

WICHTIG! Bist Du Kunde bei der Telekom und hast einen Speedport Router? Dann sieh Dir bitte unbedingt die Anleitung zum Freischalten unseres Mailservers an! Ansonsten hast Du erst mal einige Verbindungsprobleme…

Ich nutze den Thunderbird schon eine ganze Weile und halte ihn für einen recht gelungenen E-Mail Client. Gut, er hat die eine oder andere Macke. Aber er ist Open Source, gratis und wenn er einmal eingerichtet ist, arbeitet er stabil und zuverlässig. So, wie es sein soll :)

Den Mail-Client kannst Du Dir direkt von der Mozilla-Foundation herunterladen:
https://www.mozilla.org/de/thunderbird/

Du bekommst ihn in einer ganzen Menge Sprachen für Windows, Mäc und Linux angeboten.

Zur Installation (hier unter Windows) einfach die Setup-Datei ausführen und den Anweisungen folgen. Mit ein paar Klicks ist Thunderbird schnell auf Deiner Maschine installiert.

Log-Live-Mitschnitt am Server

Damit wir bei der Einrichtung von Thunderbird gleich sehen, was unser Server dazu meint, loggen wir uns per SSH auf unsere Maschine ein.

Zuerst brauchen wir wieder root-Rechte, sonst dürfen wir die Logs nicht ansehen…
sudo -i

Der „tail“-Befehl zeigt die letzten Zeilen einer Datei an. Man kann ihn über die Option „-f“ (follow) aber auch anweisen, die letzten Zeilen einer Datei auszugeben und mit der Ausgabe fortzufahren, sobald etwas neues in diese Datei geschrieben worden ist. Das ist für Log-Dateien, die sich ja ständig mit Eingaben füllen, äußerst praktisch.

Den Live-Mitschnitt beendest Du mit der Tastenkombination „Strg + c“.

tail -f /var/log/mail.log

Nun wird uns LIVE angezeigt, wenn sich etwas neues auf der mail.log tun sollte ;)

Thunderbird einrichten

thunderbird-01 Wir starten Thunderbird. Läuft er zum ersten Mal hoch, sehen wir die Anfrage, ob er sich als Standardprogramm für E-Mail eintragen soll. Da ich auf meiner Maschine keinen anderen Mail-Client laufen lasse, habe ich diese Frage bejaht.

thunderbird-02 Als nächstes wird uns angeboten, eine E-Mail Adresse einzurichten. Das möchten wir aber nicht, da wir ja unseren eigenen Mailserver haben und mit dem eine Verbindung aufbauen wollen. Also wählen wir unten den Menüpunkt „Überspringen und meine existierende E-Mail-Adresse verwenden“.

thunderbird-03thunderbird-04
Alternativ kannst Du auch über das Menü eine neues E-Mail Konto hinzufügen. Dafür klicken wir auf das „Menü“-Symbol mit den drei Linien, wählen „Einstellungen“ und „Konto-Einstellungen“ aus. Dann unten auf „Konten-Aktionen“ drücken und daraus dann „E-Mail-Konto hinzufügen…“ wählen.

thunderbird-05 Wir bekommen den ersten Dialog präsentiert. Hier geben wir den Namen ein, der später als Absender auf unseren Mails stehen soll. Dann noch die E-Mail Adresse und unser Passwort. Der Einfachheit halber können wir das Passwort gleich mit abspeichern lassen und klicken auf „Weiter“.

thunderbird-06athunderbird-06b
Thunderbird versucht nun, mittels Magie herauszubekommen, auf welchen Ports unser Server welche Dienste zur Verfügung stellt. Das klappt wenig bis gar nicht. In jedem Fall drücken wir auf die Schaltfläche „Manuell bearbeiten“, da der Benutzername IMMER falsch erkannt wird und gerichtet werden muss.

Das Live-Log sollte hier einige neue Zeilen fabrizieren und viele Fehlermeldungen ausspucken. Das ist dem Trial-and-Error-Verfahren von Thunderbird geschuldet, der einfach wild ein paar Ports und Adressen ausprobiert.

Hier können wir uns noch für IMAP oder POP3 entscheiden. POP3 holt alle Nachrichten vom Server und löscht diese normalerweise danach. bei IMAP verbleiben alle Nachrichten auf dem Server. Dafür können mehrere Geräte auf das selbe Postfach zugreifen und haben alle den selben Stand. Was recht praktisch ist, wenn Du einen Computer in der Arbeit und einen Daheim hast und mit beiden auf alle Mails zugreifen möchtest…

Später können wir das Protokoll NICHT mehr ändern! Die Auswahl, die wir hier treffen, ist endgültig.
Im Nachhinein müssten wir ein neues Konto mit dem anderen Protokoll anlegen und das alte Konto löschen, wenn wir ein anderes Zugriffsprotokoll verwenden möchten.

thunderbird-07 Hier geben wir die Werte für unseren Server ein:

PostEINgangsserver

  • Adresse: mail.bla.de
  • Bei IMAP: Port 143 ODER
  • Bei POP3: Port 110
  • SSL: STARTTLS
  • Authentifizierung: Passwort, normal
  • Benutzername: ich@bla.de (Die VOLLE E-Mail-Adresse)

PostAUSgangsserver

  • Adresse: mail.bla.de
  • Port: 587
  • SSL: STARTTLS
  • Authentifizierung: Passwort, normal
  • Benutzername: ich@bla.de (Die VOLLE E-Mail-Adresse)

Und bestätigen diese Eingaben mit einem Klick auf „Fertig“ .

thunderbird-08 Nun bekommen wir – wegen dem selbst signierten Zertifikat – eine Warnung. Und auch, wenn uns „seriöse Banken, Geschäfte und andere öffentliche Seiten niemals darum bitten würden“ (Frechheit!), achten wir darauf, dass der Haken bei „Diese Ausnahme dauerhaft speichern“ gesetzt ist und klicken auf „Sicherheits-Ausnahmeregel bestätigen“.

Das Log spuckt uns derweil folgende Zeilen aus:
Oct 20 15:35:26 debvm postfix/smtpd[3217]: connect from unknown[192.168.1.215]
Oct 20 15:35:26 debvm postfix/smtpd[3217]: warning: TLS library problem: 3217:error:14094418:SSL routines:SSL3_READ_BYTES:tlsv1 alert unknown ca:s3_pkt.c:1261:SSL alert number 48:
Oct 20 15:35:26 debvm postfix/smtpd[3217]: lost connection after STARTTLS from unknown[192.168.1.215]
Oct 20 15:35:26 debvm postfix/smtpd[3217]: disconnect from unknown[192.168.1.215]

Das ist an dieser Stelle normal und nachdem die Ausnahmeregel bestätigt wurde kommt der Fehler nicht mehr vor…

Nun loggt sich unser Benutzer korrekt beim Server ein:
Oct 20 15:21:34 debvm dovecot: auth-worker(3169): mysql(localhost): Connected to database mailserver
Oct 20 15:21:34 debvm dovecot: imap-login: Login: user=<ich@bla.de>, method=PLAIN, rip=192.168.1.215, lip=192.168.1.114, mpid=3170, TLS, session=<bAEPJIki/wDAqAHX>

thunderbird-09 Machen wir weiter mit den Einstellungen. Auf der „Server-Einstellungen“-Seite legen wir fest, dass Thunderbird gelöschte Nachrichten in den Ordner „Papierkorb“ verfrachtet und diesen beim Beenden leeren soll. Hier hätten wir also bis zum Ende der Sitzung Zeit, eventuell doch benötigte Mails zurück zu holen.

Wem diese Variante zu „Grob“ ist, kann den Haken bei „Papierkorb beim beenden leeren“ auch leer lassen und den Papierkorb von Zeit zu Zeit selbst manuell löschen.

Der Lokale Ordner ist standardmäßig unter den „Eigenen Dateien“, „App-Data“ und „Roaming“. Hier lege ich lieber selber einen Ordner an, definiere für jede Domain einen Unterordner, und nutze diesen dann zum Zwischenspeichern der Mails. Vor allem praktisch, wenn die SSD recht klein ist und wir die Mails lieber auf das Daten-Laufwerk speichern wollen.

Mit „OK“ nehmen wir die Änderungen an.

thunderbird-10 Der erste Test! Schreiben wir eine Mail an uns selbst :)

Dazu klicken wir auf „Verfassen“, geben als „An“ unsere „Von“ E-Mail Adresse ein, schreiben ein paar warme Worte und drücken auf „Senden“.

thunderbird-11thunderbird-12
Wir bekommen nun für den SMTP-Server die gleiche Fehlermeldung wie beim IMAP-Server. Auch hier bestätigen wir die Ausnahme-Regel. Thunderbird schreibt uns dann, dass er die Mail nicht senden konnte. Diese Meldung mit „OK“ quittieren und noch einmal auf „senden“ drücken…

Dieses Mal wird die Mail von Postfix akzeptiert.

Das Log schreibt was in der Art von:
Oct 20 15:36:40 debvm dovecot: auth-worker(3221): mysql(localhost): Connected to database mailserver
Oct 20 15:36:40 debvm postfix/smtpd[3217]: 53B5DC02E8: client=unknown[192.168.1.215], sasl_method=PLAIN, sasl_username=ich@bla.de
Oct 20 15:36:40 debvm postfix/cleanup[3223]: 53B5DC02E8: message-id=<56264368.7080601@bla.de>
Oct 20 15:36:40 debvm postfix/qmgr[3139]: 53B5DC02E8: from=<ich@bla.de>, size=557, nrcpt=1 (queue active)
Oct 20 15:36:40 debvm dovecot: lmtp(3225): Connect from local
Oct 20 15:36:40 debvm postfix/smtpd[3217]: disconnect from unknown[192.168.1.215]
Oct 20 15:36:40 debvm dovecot: lmtp(3225, ich@bla.de): 7FhXHWhDJlaZDAAA0Va3mg: msgid=<56264368.7080601@bla.de>: saved mail to INBOX
Oct 20 15:36:40 debvm postfix/lmtp[3224]: 53B5DC02E8: to=<ich@bla.de>, relay=bla.de[private/dovecot-lmtp], delay=0.19, delays=0.13/0.01/0.01/0.04, dsn=2.0.0, status=sent (250 2.0.0 <ich@bla.de> 7FhXHWhDJlaZDAAA0Va3mg Saved)
Oct 20 15:36:40 debvm dovecot: lmtp(3225): Disconnect from local: Client quit (in reset)
Oct 20 15:36:40 debvm postfix/qmgr[3139]: 53B5DC02E8: removed
Oct 20 15:36:40 debvm dovecot: imap-login: Login: user=<ich@bla.de>, method=PLAIN, rip=192.168.1.215, lip=192.168.1.114, mpid=3228, TLS, session=<m3ASWokiFADAqAHX>

Und damit ist die Mail erfolgreich zugestellt worden :)

thunderbird-13 Wie wir sehen, haben wir eine Mail erhalten :)

Fazit

Thunderbird ist in ein paar Minuten an unser Postfach angepasst. Danach können wir unseren Mailserver produktiv nutzen.

Nun heißt es „rinse and repeat“. Wir richten unter Postfix Admin unsere weiteren Domains, Postfächer und Aliase ein. Diese können wir dann der Reihe nach in Thunderbird übernehmen.

Da kommt dann einer der Punkte zum Tragen, den ich am meisten an Thunderbird hasse: Wir können die Reihenfolge der Postfächer in der Liste nicht ändern. In genau der Reihenfolge, in der wir die Postfächer anlegen, werden diese auch dargestellt. Möchte ich eins weiter nach oben oder unten schieben? Geht nicht!
Aber das sind halt eher kosmetische Sachen. Ärgerlich, aber nicht tragisch…

Ende, over and out!

So, und das wär’s gewesen!
Die Einrichtung eines Mailservers von vorne bis hinten.

Ich hoffe, Du hast durchgehalten und kannst Dich nun über Dein eigenes Mail-System freuen :)

Allerdings muss ich auch sagen, dass ich die Mailserver Geschichte nicht vollständig durchblickt habe und es durchaus in der Config ein paar ganz furchtbare Fehler geben kann.

Aus diesem Grund bringe ich noch ein achtes Kapitel:
Hier sammle ich die Sachen, die noch nicht so laufen, wie sie sollen.

Wenn jemand Ahnung von der Materie hat und helfen möchte, dieses Tutorial aufzupolieren – Du bist ganz herzlich dazu eingeladen!

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